Über Berater

In einer Tageszeitung las ich folgenden Witz:
Nach seinem plötzlichen Tod klopft ein Unternehmensberater am Tor zum Himmel. Petrus öffnet, schüttelt ablehnend den Kopf und sagt: "Berater wollen wir hier nicht, versuchen Sie es unten." Der Berater erwidert ungerührt: "Ich will ja gar nicht rein, aber 1000 andere müssen raus."

In solchen Witzen liegt oft ein Teil von Wahrheit.

Unter dem reißerischen Titel "McKinsey kommt" präsentiert Hochhuth die Berater als skrupellose Job-Killer. Zu unerfahren, zu praxisfern, zu viel Show, zu wenig Substanz. Viele Punkte der Berater-Kritik sind berechtigt. Doch mindestens genau so viele sind nichts anderes als eine Form der Schuldabweisung.


Mit Beratern ist es wie mit Büchern über "richtiges" Management:
Sie sagen selten etwas Überraschendes, bringen aber auf den Punkt, was man selber auch hätte sehen können, wenn man nur darauf geachtet hätte.


Wenn der Verkauf nicht mehr läuft, holt man sich einen Berater ins Haus. Nach der Analyse der Situation und daraus erarbeiteten Schritte um aus den Auftragsloch heraus zu kommen werden die notwendigen Aktionen nur halbherzig umgesetzt.

Der Berater versucht irgendwie für das Gesamtkonzept doch noch die Durchführung zu erreichen. Ab einem bestimmten Punkt werden die Kräfte, die vorher den Karren in die falsche Richtung geschoben haben, durch erste Erfolge wieder aktiv und übernehmen mit fester Hand das Ruder und schieben wieder in die falsche Richtung.

Wer jemanden so den Spiegel vorhält, macht sich damit eben nicht rasend beliebt. Manchmal holen Führungskräfte Berater ins Haus, um unpopuläre Entscheidungen von diesen bestätigt zu bekommen: Nicht das Management soll schuld am Job-Abbau sein, am Misserfolg, an fehlenden Aufträgen, sondern die externen Berater und deren Restrukturierungskonzepte. Und mancher Manager lässt sich wichtige Entscheidungen durch Beraterkonzepte absegnen. Geht's schief, war halt der Berater schlecht.

Für diese Dienste gibt es fürstliche Honorare, aber keine Liebe.